• Bison Overkill


    In Grand Teton war eine Bisonherde oder auch mal der Einzelgänger direkt am Straßenrand noch was vergleichsweise besonderes. Hier in Yellowstone halt ich mittlerweile schon gar nicht mehr an, wenn so ein Tierchen des Weges kommt. “Ok, schon wieder ein Bison. Mist, schon wieder Verkehrsstau!” ;-)
    Nein, ganz so isses dann auch nicht. Ist schon nachwievor sehr faszinierend anzusehen, wenn eine riesige Herde von bis zu 30 Bisons durch die Gegend zieht. Oder wenn man (im Auto sitzend) plötzlich nur noch von diesen “Schlachtrössern” umgeben ist, weil die ihrer 20 oder mehr beschlossen haben, genau an der Stelle die Straße zu überqueren, wo ich gerade am Rand parke. Da schrammt so ein Bisonhintern in aller Gemütsruhe schon mal nur ein paar Meter am Kotflügel vorbei. :-)

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    Im Auto sitzen bleiben ist dabei natürlich das einzig Richtige. Aber was macht man, wenn man gar nicht im Auto ist? Am Pelican Creek stand ich vorgestern Abend mit ein paar anderen Fotografen auf einer kleinen Brücke, und wir haben uns alle voll auf ein paar süße Otter im Wasser konzentriert, die dort regelrecht für die Kameras posiert haben. Aus dem Augenwinkel sah ich dann was Großes auf der Straße auf uns zuwanken. :-) Ähm, da kam ein ziemlich großes Bison in unsere Richtung marschiert. Wir hätten sozusagen in seinem Weg gestanden. Glücklicherweise hatte einer der anderen Fotografen sein Auto am Ende der Brücke einfach an den Straßenrand gestellt. Wir sind dann mal besser alle dahinter “in Deckung gegangen” und haben den Dicken an uns vorbei laufen lassen. Der war zwar total friedlich. Aber man weiß ja nie, was ihn/sie so reizt. ;-)

    Ansonsten ist Yellowstone nicht so die natürliche Schönheit wie Grand Teton. Die Landschaft ist zumindest im westlichen Teil des Parks (woanders war ich noch nicht so wirklich) eher zerklüftet und weniger ästhetisch anzusehen. Dafür sind wie erwartet die Extreme der Hingucker. An allen Ecken sprudelt und blubbert es aus der Erde. Es “duftet” wiedermal lecker nach Schwefel. Ich hatte es schon vermisst. ;-) Der ganze Nationalpark scheint ein einziger großer Vulkan zu sein, was sich aber in faszinierenden Farben der Gesteine und Gewässer widerspiegelt. Hat schon was!

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    Am Grand Prismatic Pool

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    Im Geyser Country

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    Ein echtes Prachtstück am Schluß – der Morning Glory Pool, ebenfalls im Upper Geyser Basin des Geyser Country

    Zum Autofahren ist Yellowstone leider fast genau mit meiner Ankunft ziemlich anstrengend geworden. Wegen Bauarbeiten wurden zwei wichtige Highways dauerhaft für den Rest des Jahres gesperrt. Man kommt zwar noch überall hin, aber leider nicht mehr auf dem direkten Weg. Der Ort, wo ich heute zum Beispiel war – Geyser Country – ist Luftlinie bzw. über einen der besagten Highways keine 20 Minuten Autofahrt von meiner Unterkunft entfernt. Durch die Umleitung brauch ich jetzt fast genau 2 Stunden, um dort hinzukommen. Ich konnte vorhin, als ich mich auf den Rückweg machte, meine Lodge in Grant Village schon fast sehen – und musste trotzdem erst eine so lange Fahrt auf mich nehmen. Naja, egal. Irgendwas ist immer. ;-) Aber der Sprit ist billig, mein Auto nicht sehr durstig, und Zeit hab ich ja auch genug. ;-)


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    • Mutti
      Nicht zu viel versprochen ! Superaufnahmen und aufschlussreiche Berichte. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
    • Marco
      Die Bullen können bis zu 900 kg schwer werden. Bisonkühe sind tatsächlich nur halb so schwer. Das würde sich ja …

  • Grand mit vielen


    Noch ein abschließendes Wort zu Moab und dem Arches Nationalpark. Am letzten Abend hab ich dort noch eine längere Wanderung zum Double O’ Arch unternommen. Die Herausforderung im Arches ist aber nicht zwingend die Entfernung eines solchen Trails, sondern eher die Hitze und die auch sonst nicht sehr menschenfreundliche Umgebung einer Wüste. War ich am ersten Abend noch sicheren Fußes vom Delicate Arch im Dunkeln dafür aber mit Mondlicht gut geleitet und außerdem in Begleitung von jeder Menge anderer später Wanderer zurück zum Auto gekommen, sah das am Double O schon ganz anders aus. Ein recht kraxeliger Weg, der auch mal über schmale Felsrücken verläuft, machen das eher zu einer No-Go-Area für Wanderungen nach Sonnenuntergang. Somit hatte ich mir also fest vorgenommen, den ca. 5 km langen Rückweg auf jeden Fall lange vor Einbruch der Dunkelheit anzutreten und somit auf Sonnenuntergangsbilder am Arch zu verzichten. Und außerdem wollte ich im Zweifelsfall auch möglichst nicht alleine zurücklaufen. Ein falscher Tritt auf diesem Pfad, und ich hab ein Problem – solange nicht noch andere Wanderer unterwegs sind. Aaron Ralston lässt grüßen. ;-)

    Ich hab mich aber früh genug trennen können, hab eine durchgeknallte Sängerin aufgegabelt, die dort unbedingt das Echo ihrer Gesangskünste testen wollte und hab sie fast schon genötigt (auch in ihrem eigenen Interesse), nicht allein dort zurückzubleiben. Naja, wir haben uns zumindest den Rückweg mit angenehmer Unterhaltung verkürzt. Und sie war dann am Ziel vermutlich auch nicht sooo traurig, daß auch sie nicht allein zurück musste. Wir haben nämlich zwei Mal den Pfad “verloren” (geht aber auch fix – da wird man halt nicht alle paar Meter mit Hinweisschildern verwöhnt), und wir standen irgendwo in einer Sackgasse vor einer Felswand oder einem doch etwas zu hohen Abgrund – eine Situation, die sie angesichts der einbrechenden Dunkelheit in immer wahrnehmbarere Panik versetzte. Alleine wäre da vermutlich jedem von uns ganz schön der Stift gegangen. ;-) Und so kamen wir da halt einfach mit gegenseitiger moralischer Unterstützung ganz easy wieder raus. Also alles gut, Mutti! :-)

    Seit vergangenem Montagabend bin ich in Grand Teton Nationalpark im lauschigen Wyoming. Um hierher zu kommen, musste ich einen ganz ordentlichen Ritt von ca. 850 km zurücklegen. Dabei hab ich auch gleich noch Neuland betreten. Bevor es nach Wyoming ging, hab ich wiedermal ein weiteres Häkchen auf der Liste der Bundesstaaten machen können, in die ich nun schon einen Fuß gesetzt habe.

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    Übrigens überquert dieser Highway auf dem Weg nach Grand Teton die besagte State Line mehr als einmal, immer schön hin und her. :-)

    Grand Teton ist jedenfalls ein einziges Wunder. Naturspektakel gibt es hier in rauen Mengen und
    vielseitigster Art, auch wenn sie eher nicht so die Extreme wie im Arches und vermutlich auch Yellowstone umfassen. Es ist eher eine sehr “normale” Landschaft, dafür aber mit herrlich satten Farben, spiegelnden Flußläufen, funkelnden Seen und schneebedeckten Bergspitzen. Hier mal eine kleine Kostprobe (nur aus der Knippse, die Bilder der großen Kamera enthalte ich Euch bewußt vor, will ja nicht mein ganzes Pulver verschießen) – eine kleine Kostprobe also von den Tetons, den Namensgebern des Parks.

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    Auch die Tierwelt ist hier einfach prächtig anzuschauen. Bisher ist die schiere Menge an
    vorbeilaufenden Elchen und Bären zwar bei Weitem noch nicht so groß wie letztes Jahr in den kanadischen Rockies. Das wird an der späteren Jahreszeit liegen. Aber dafür sind mir hier zum ersten Mal Bisons vor die Linse geraten. :-)

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    Bis Sonntag kann ich mir hier noch in aller Ruhe Zeit nehmen. Danach geht es die paar Meilen nordwärts nach Yellowstone. Im Gegensatz zu den letzten Trips dieser Art hab ich mir ja diesmal ganz bewußt nur zwei Hauptziele ausgesucht und dafür jeweils etwas mehr Zeit reserviert, als das vorher manchmal der Fall war, als ich zumeist nur maximal drei oder vier Tage an der gleichen Stelle übernachtet habe (wenn überhaupt so lang). Man sieht zwar mehr Orte, aber stressiger ist es allemal. Von daher find ich meinen “neuen Ansatz” gerade sehr entspannend. :-)
    Ach und bevor einer fragt: WLAN gibt es hier ganz zuverlässig in jeder Lodge und jedem Restaurant, und sogar mein Verizon-Handy hat im letzten Winkel des “Märchenwaldes” meistens ganz brauchbaren Empfang. ;-)


  • 4 Comments - Latest By:
    • Andreas
      Hi Marco, scheint so zu sein, daß Du gut über den Teich gekommen bist. Du weißt ja, mit dem Lesen habe ich …
    • Marco
      Das war eine Berufssängerin, auch wenn sie selber mit dem Begriff Beruf vorsichtig umgegangen ist. Aber zumindest kann sie wohl …

  • Red Rock Return


    Das Land der roten Felsen hat mich wieder. Na gut, Moab, mein jetziger Aufenthaltsort, wird für diesen Trip zwar der einzige bleiben, wo rote Erde zu sehen ist. Aber für den Anfang … :-)

    Mit etwas Rotem hat dieser Urlaub in Utah und Wyoming aber auch schon an anderer Stelle begonnen, nämlich beim Mietwagen. Der lief zwar glücklicherweise nicht im roten Bereich. Aber umtauschen musste ich ihn in Denver am Flughafen am nächsten Morgen dann trotzdem. Das Ding machte derartig fiese Geräusche aus einer der Radaufhängungen – das war nichts für meine Mutter ihren Sohn. Böse Erinnerungen an den Landcruiser in Australien kamen hoch – siehe an anderer Stelle hier in diesem Blog. Was ich im Jetlag am ersten Abend nach Ankunft noch ignorieren konnte, ging mir aber am nächsten Morgen angesichts der vor mir liegenden Fahrtstrecke nicht mehr aus dem Kopf.
    Also schnurstracks zurück zum Flughafen (gottseidank nur ca. 10 km entfernt), die Büchse wieder zurückgebracht, ein bißchen rumgemault (mal ehrlich, muss man als Autovermieter doch merken, wenn so eine Kiste von einem Kunden wieder abgegeben wird) und … ein kostenloses Upgrade auf die nächstgrößere Wagenklasse bekommen. :-) Gelenkt von inneren Überzeugungen ;-) bin ich natürlich geradewegs auf den kleinen Roten zugelaufen. Bisher hab ich’s noch nicht bereut. Fährt sich schnuckelig, und er hat mich gestern auch sicher und bequem bis nach Utah gebracht.

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    Halbwegs pünktlich war ich in Moab und hab die verbleibende Zeit mit Tageslicht auch noch für einen ersten Abstecher in den Arches Nationalpark nutzen können. Als hätte der Park bei mir was gutzumachen (2008 bin ich nach 3 Tagen Regenwetter quasi unverrichteter Dinge weitergefahren), kam ich nach 2.5 km Wanderung auch exakt zum besten Sonnenuntergangslicht am berühmten Delicate Arch an. Perfektes Timing. Ich glaube, man sieht mir an, daß ich mich ganz ordentlich beeilt habe, um rechtzeitig da zu sein. ;-) Hat sich aber gelohnt.

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    Heute “dachte” Moab vermutlich, so, reicht erstmal wieder. Seit heute morgen pieselt es nämlich immer mal wieder. Sieht aber nicht so schlimm aus. Da kommt mit Sicherheit noch die Sonne raus. Aber auf die Art kann ich es entspannt angehen lassen.

    Heute und morgen hab ich noch zuverlässigen Online-Zugang. Für die Zeit danach kann ich nicht vorhersagen, inwiefern ich brauchbares Internet zur Verfügung habe. Ab morgen früh geht es weiter nach Norden zum Grand Teton Nationalpark. Wenn alle Erwartungen für diese Region zutreffen, dürfte es dort neben beeindruckender Landschaft und einer faszinierender Tierwelt aber auch so gut wie keine Online-Verbindungen geben. ;-) Ich werd’s sehen. In diesem Fall wird mir auch mein süßes, neues iPhone nicht viel weiterhelfen. Mein deutsches Handy war nämlich partout nicht zu überreden gewesen, sich mit einer Verizon-SIM-Karte anfreunden zu wollen, obwohl das von den technischen Daten her hätte gehen müssen. Na gut, hab ich halt mal das preiswerteste Apfelding gekauft, das die in dem Laden da hatten. Man weiß ja nie, wozu’s gut ist. ;-)

    Lasst es Euch gutgehen!

    PS: Ich freu mich am meisten wie immer über Kommentare – am besten direkt hier im Blog und nicht auf Facebook! ;-) Aber wer unbedingt nur dort was schreiben will – nur zu. :-)


  • 5 Comments - Latest By:
    • Dörte
      Gute Reise Marco und ganz viele schöne Fotomotive! Hoffe Du bekommst viele Tiere vor den Auslöser. :-)
    • Marco
      Naja, ausgesucht hab ich mir das Äpfelchen jetzt auch nicht. ;-) War bei Verizon für meine Zwecke leider alternativlos. Und …

  • Boltzis Tierwelt


    Ich bin wieder in Vancouver und habe schon emsig meine Tasche für den Rückflug morgen Abend gepackt. Wie immer hab ich ein paar Ziele auf der Liste übrig, die ich mir noch ansehe. Aber generell laß ich’s langsam angehen. :-) Magischerweise sind es nach 4 Wochen Herumreisen wieder einmal ziemlich genau 7000 km auf dem Tacho. Erneut fast eine Punktlandung im Vergleich zu anderen, zeitlich gleich langen Roadtrips. ;-)

    Es kam die Frage nach einem Elchbild auf. Ich hab in meinen tausenden Aufnahmen gekramt, und *tatatataaa* – neben dem erwähnten Bild von Pyramid Island hatte ich noch ein weiteres in der Nähe von Prince George gemacht (siehe mein Kommentar von damals). Das benötigt für den Blog auch keine weitere Bearbeitung. Hier also der ultimative Elchtest.

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    Wie schon zu sehen war, sind mir unterwegs natürlich noch viele andere Spezies begegnet. Die meisten von denen waren höllisch gefährliche Untiere. In die Nähe von Minnie the Pig traut man sich z.B. nur nach jahrelanger Nahkampfausbildung und hartem Outdoor-Training.

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    Als Reisender in den kanadischen Wäldern sollte man sich der Gefährlichkeit von wilden Tieren immer bewusst sein. Das sind schließlich alles keine Kuscheltiere. Umso erschreckender ist es, wenn sich solch bedrohliche Lebewesen plötzlich in’s Auto schleichen. Wenn man das entdeckt, kann einem schonmal das Herz in die Hose rutschen. Auge um Auge mit der Bestie.

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    Eine Papiertüte wurde ihm aber am Ende zur eigenen Falle.

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    Ok, genug Blödsinn. Es geht mir gut, keine Sorge. Ich hab nur ‘nen Vogel. :-)

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    Aber wie Ihr oben seht, gibt es hier ebenso eine gewisse Kontinuität. Die vielen gelben Zettelchen sind wieder mit von der Partie gewesen. Um deren Zweck drehte sich ja die Frage beim “interaktiven Blog” des letzten Roadtrips in Down Under. Und das bringt mich zum Abschluß zur “Preisfrage” dieser Artikelserie meines Kanada-Trips.

    Wie könnte wohl folgendes Bild entstanden sein?

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    Ich hatte eine interessante Zeit in den letzten 4 Wochen und habe wieder extrem viele faszinierende Eindrücke gesammelt. Ihr wart auch immer sehr fleißig beim Mitlesen und Kommentieren hier im Blog. Vielen Dank dafür! :-)
    Ich mach mir jetzt noch ein paar schöne Stunden in Vancouver und Umgebung.

    Aber halt! Einen hab ich jetzt noch.

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    Mit olympischen Grüßen aus Whistler! ;-)
    Marco

    PS: Mittlerweile ist auch die Galerie mit den hochwertigen Aufnahmen online. Einfach klicken auf www.boltz-online.com und dort auf den Link “Fotografie” und “Kanada 2013″, oder über die Weltkarte.


  • 5 Comments - Latest By:
    • Marco
      Und wir haben eine Gewinnerin! *TA-DAAH* Der "Pokal" geht an Dörte! Herzlichen Glühstrumpf! :-) Der geheime Zusatzpreis dürfte auch fällig …
    • Silvia
      Ein Grizzlybär hält Dich in der Schnauze, statt zu schreien bist du eiskalt und machst ein Photo! :)

  • Grenzgänger


    Wie Ihr bisherigen Beiträgen entnehmen konntet, bin ich ja auf diesem Roadtrip in den Provinzen British Columbia und Alberta unterwegs. Das Überqueren deren Grenzen ist natürlich nicht viel anders, als in Deutschland von einem Bundesland in’s nächste zu fahren. Da steht dann ein Schild, das einem den entsprechenden Hinweis gibt, wo man sich ab jetzt befindet. Das ist theoretisch hier in Kanada auch so. :-)

    Nur leider steht dieses Schild nicht an wirklich jeder Straße, auch nicht an größeren Highways. Zu dem Zeitpunkt, von dem mein letzter Artikel über den umgestürzten Baum berichtete, war ich mir nämlich nicht so hundertprozentig sicher, in welcher Provinz ich mich denn nun wirklich befinde. Das wäre an sich ja erstmal auch nicht so wichtig, wäre da nicht das Phänomen der unterschiedlichen Zeitzonen zwischen Alberta und BC. Und so ein Schild hier (in dem Fall auf dem Rogers Pass) kann man schnell übersehen, oder es steht halt leider nicht immer da.

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    Auf dem Weg nach Jasper markierte die Grenze der beiden Provinzen tatsächlich auch den Wechsel der Zeitzone. Guter Hinweis für den Fall, daß man sich wieder in die andere Richtung bewegt? Na nicht doch. Wäre viel zu einfach. ;-) Es gibt im östlichen British Columbia einen ziemlich großen Abschnitt, in dem trotzdem die gleiche Zeitzone gilt wie in Alberta, nämlich die sogenannte Mountain Time und nicht die Pacific Time. Verwirrend? Yep, war’s für mich auch. :-) Auf dem Weg aus den Rockies nach Westen und Südwesten, über die Kootenays bis jetzt hier nach Kelowna im Okanagan Valley hab ich bei so ziemlich jeder Gelegenheit mal besser nachgefragt, wie spät es eigentlich ist. War immer wieder überraschend! :-)

    A propos Grenzen: Unabhängig von meinem kleinen Ausflug nach Alaska vor einigen Wochen – irgendwie hat’s ja doch was, wenn so wie in Creston, am südlichen Ende von British Columbia, dann plötzlich dieses Schild auftaucht und die unmittelbare Nähe zu Idaho verkündet.

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    Und so wird das jetzt auf dem Weg nach Vancouver noch häufig passieren. Ich schlängele mich relativ zielstrebig entlang der US-Grenze zurück an meinen Ausgangspunkt.

    Und noch etwas ist sehr _grenz_wertig seit ungefähr Anfang dieser Woche: die Temperaturen. Einigen von Euch hab ich es schon auf anderem Wege erzählt bzw. viele werden es auch evtl. aus den Nachrichten wissen. Nordamerika wird/wurde von einer regelrechten Hitzewelle ereilt. Es ist schon nicht ganz so normal, daß man in Kanada Ende Juni bzw. Anfang Juli speziell in dieser Gegend Temperaturen von über 30 und mancherorts sogar 40 Grad Celsius misst.

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    Immer wieder faszinierend ist dabei allerdings, daß man es trotzdem schafft, bei dieser Hitze irgendwo durch stellenweise knietiefen Schnee zu stiefeln (ok, auf so zwischen 1000 und 2000 Höhenmetern sollte man sich schon befinden). Ist mir erst vorgestern zum wiederholten Mal gelungen, hier am Kokanee Lake bei Nelson in den West Kootenays.

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    Dabei hab ich auch das erste Mal die Bekanntschaft mit einem Grizzly gemacht, ohne daß ich ihn aus sicherer Distanz aus dem Auto heraus beobachten konnte. Ok, der Abstand war immer noch groß genug, und ich hab auch nur einen Blick auf sein riesiges Hinterteil auf der Flucht erhaschen können, da ich ihn auf dem Rückweg von besagtem See wohl aufgeschreckt habe. Offensichtlich war ich auch als Einzelperson laut genug (selbst ohne Kuhglocke um den Hals wie manch anderer Wanderer!), daß er sich getrollt hat. Direkt vor ihm auf dem Wanderweg hätte ich nämlich nicht plötzlich stehen wollen. ;-)

    Angesichts der regelrecht domestizierten “Drive-By-Modelle” war es schon wieder ein beruhigender Gedanke, daß manche Wildtiere ihre natürliche Scheu vor Menschen noch nicht ganz verloren haben. Keine Selbstverständlichkeit meines Erachtens. Ich hab schon aufgehört, die Leute zu zählen, die besonders die hiesigen (allerdings wirklich putzigen) Eichhörnchen ausgiebigst mit Kartoffelchips oder ähnlichem füttern. Klar, da sind meist kleine Kinder am Werke. Aber die werden von ihren Eltern oftmals regelrecht ermutigt oder zumindest nicht davon abgehalten. Steht ja auch nur alle paar Kilometer ein entsprechendes Verbotschild, auf dem (neben den erheblichen Geldstrafen!) auch eindringlich auf die mit dem Füttern verbundenen Gefahren hingewiesen wird: Verlust des Jagd- und Selbsterhaltungsinstinkts und Übertragung von Krankheiten. Aber bei einigen Menschen hab ich das Gefühl, es reicht nicht zum Lesen, oder sie glauben, Regeln und Vorschriften sind nur für andere gedacht. Gilt hier leider ganz besonders (aber nicht ausschließlich) für indische und Latino-Großfamilien. *an-die-Stirn-hau* Aber ich schweife ab … ;-)

    Achja, noch ein Nachsatz zum eigentlichen Thema dieses Artikels. Von der Grenzstadt Osoyoos aus hab ich nun doch noch für einen Nachmittag einen Abstecher in den benachbarten US-Staat Washington gemacht.

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    War wiedermal spannendes Theater mit den Brüdern von der US-Immigration! Da drüben war in Grenznähe zwar nicht so viel zu sehen. Aber ich war halt mal da, bin ein bißchen dort gewandert und hab noch ein Käffchen geschlürft. Ich durfte danach sogar wieder problemlos zurück nach Kanada einreisen. ;-)


  • 2 Comments - Latest By:
    • Marco
      quod erat demonstrandum ;-) (Das mit dem Schild meine ich.) Ich schau bei Gelegenheit in der Kamera mal nach dem …
    • Dörte
      Ha,Marco! Auf dem Rogers Pass steht ein Schild, dass man die Zeitzone wechselt? :-D Das haben wir übersehen.... und ich …

  • Das Kettensägenmassaker


    Hah, war ja wieder klar, daß ich mit so einer Geschichte aufwarten kann. :-) Aber der Reihe nach.

    Heute Nachmittag war ich an den Wapta Falls unterwegs; ein leichter Wanderweg, ein paar Kilometer entfernt vom Highway. Auf dem Rückweg zum Auto fing es an zu regnen. Ich kam keine Sekunde zu früh zurück, denn es brach ein ordentlicher Sturm los. Mit mir zusammen waren vielleicht noch zwei oder drei andere Autos zurück zum Highway unterwegs. Ein paar kamen uns noch entgegen.

    Ein paar hundert Meter vor der Einbiegung bricht in dem mittlerweile starken Sturm plötzlich ein ordentlich großer Baum auf die Straße. Nur knapp hinter einem der anderen Autos und nur ca. 50 m vor dem darauffolgenden Fahrzeug, dem vor mir. Die beiden Stämme (war so ein merkwürdig gewachsener, doppelter Baumstamm) wären groß und schwer genug gewesen, das Auto platt zu machen. Echt Schwein gehabt! Allerdings – da war für normale Autos jetzt kein Durchkommen mehr.

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    Da standen wir nun alle, gemeinsam gefangen, ohne Handyempfang. Einer der Fahrer startete mit seinem PS-starken Pickup-Truck den Versuch, die Stämme wegzuziehen.

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    Das haben wir nach zwei gerissenen Seilen und einer verbogenen Stoßstange dann erstmal besser sein lassen. ;-)

    Meine Wenigkeit machte sich auf den Weg zur Hauptstraße, um evtl. einen der großen Sattelschlepper anzuhalten und als schweres Räumungsgerät umfunktionieren zu lassen. Naja, die Ausrüstung der Jungs war bestimmt auch irgendwann einmal zu mehr zu gebrauchen gewesen. Wenn schon einer anhielt, hatte er kaum was brauchbares dabei.

    Pickup-Truck-Guy hatte es inzwischen geschafft, mit seiner Büchse über die beiden Stämme hinwegzubrettern, und er war auf dem Weg, um im nahegelegenen Dorf Hilfe zu holen. Wie sich herausstellte, hat die für die kanadischen Nationalparks zuständige Organisation, Parks Canada, noch nicht einmal Kettensägen oder sowas in jeder ihrer Stationen zur Verfügung. Ergibt im stark bewaldeten Westkanada vermutlich wenig Sinn. ;-)

    Einer der anderen Fahrer war mittlerweile dem ersten Baumstamm mit einer kleinen Handsäge und einer Axt zu Leibe gerückt. Ein meiner Ansicht nach etwas jämmerliches Unterfangen angesichts des Umfangs des Stammes – und der Größe der Werkzeuge. Sieht vermutlich ein bißchen nach der klassischen Teamarbeit aus: einer schwitzt, und die anderen geben kluge Ratschläge. Aber wir haben wirklich fast alle angepackt. Mehr als einer konnte da eh nicht drauflos hacken.

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    Somit hatten wir was zu tun, und jeder ackerte sich immer wieder ein paar Minuten an dem Ding ab. Wir schafften es sogar, den ersten Stamm zu durchtrennen. Denn …

    … bis Parks Canada aus dem 200 Kilometer entfernten Lake Louise doch endlich mit vernünftigem Werkzeug anrückte, vergingen mindestens drei Stunden. Und selbst diese Herren verschliessen noch zwei Kettensägen an unserem Bäumchen, bis sie es komplett zerlegt hatten.

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    Aber wir sind da alle heile rausgekommen. Niemand war verletzt oder allzu aufgeregt. Und damit auch keiner die aufregende Abenteuereinlage vergisst, hab ich mich während der Wartezeit daran gemacht, von soviel Leuten wie möglich die Emailadressen herauszufinden, um demnächst alle Bilder und Videoclips unserer kleinen Gefangenschaft auszutauschen. So ein paar nette Bekanntschaften mit Leuten aus allen möglichen Ländern macht man dabei ja auch. :-)

    Diese kleine Story hat mir heute Abend bei meiner Übernachtung sogar einen kleinen “Mitleidsbonus” eingebracht (ohne daß ich es darauf angelegt hätte!). Die Motelbesitzerin war so beeindruckt und schockiert von der Anekdote, daß sie mir das Zimmer zum halben Preis gegeben hat … damit ich Kanada “nicht in schlechter Erinnerung behalte”. Nett, oder?! :-) Dabei gehören Naturgewalten hier doch dazu. Auch wenn es vermutlich hätte weniger glimpflich ausgehen können.


  • 5 Comments - Latest By:
    • Marco
      Die (wirklich netten) Jungs und Mädels von Parks Canada auf Mt. Revelstoke haben ihre Kollegen in Schutz genommen, als ich …
    • Dörte
      ???Wie jetzt? Die haben keine KETTENSÄGEN in ihren Stationen??? Das ist ja ungefähr so, wenn Du ins Krankenhaus gehst und …

  • Spieglein, Spieglein …


    Die meisten der Seen in den Rockies sind entweder türkisfarben, oder sie sind perfekte Spiegel – oder beides. ;-) Wird Zeit, daß ich Euch ein paar Exemplare dieser überaus beeindruckenden Naturschauspiele präsentiere.

    Da hätten wir zum einen Lake Agnes. Das ist ein eigentlich eher großer, dafür aber recht flacher “Teich”, der sich allerdings auf der schwindelerregenden Höhe von 2134 m befindet.

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    Und noch ganz frisch aus der Kamera – Moraine Lake. Wenn man bedenkt, daß die Farbe des Wassers lediglich eine optische Täuschung ist … ;-)

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    Ein echtes fotografisches Schmuckstück war auch Bow Lake. Das Ausharren zu fast mitternächtlicher Stunde bei Temperaturen nur kurz über dem Gefrierpunkt war mir diese Aufnahme aber allemal wert. :-)

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    Im Moment bin ich noch in Lake Louise. Morgen mache ich mich auf den Weg nach Banff. Die Überschwemmungen sollen (Touristen wie mir!) wohl keine allzu großen Probleme mehr bereiten. Vor ein paar Tagen hieß es noch, es gäbe Schwierigkeiten mit der Stromversorgung. Scheint wohl aber kein Thema mehr zu sein. Kann man nur hoffen, daß das in allen anderen Belangen für die Anwohner auch bald wieder der Fall ist. Was mir so zu Ohren kommt, zeigen die Kanadier in solchen Situationen aber eine recht unaufgeregte Haltung. The show must go on! :-)

    Aktueller Nachsatz: Ich bin in Banff angekommen. Leider sind hier und da noch Straßen und Wege gesperrt, z.B. gibt es keinen Zugang zum Lake Minnewanka. Kann nur hoffen, daß sich das noch ändert, solange ich hier bin. Mount Sulphur und die Aussicht von dort oben waren aber auf jeden Fall phänomenal. Nett, daß die auch gleich dranschreiben, in welcher Richtung die Heimat liegt und wie weit sie entfernt ist. :-)

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  • 3 Comments - Latest By:
    • Lisa
      Thank you Marco:-) It's amazing..even the late hour is still as bright as day time outside....midnight sun^^
    • Marco
      Die gibt es sogar in rauhen Mengen, trotz des extrem kalten Wassers. Aber die Bilder davon kommen dann irgendwann später …

  • On the Rock(ie)s


    Wie man dem Titel entnehmen kann, bin ich also in den Rocky Mountains angekommen, und zwar genauer gesagt im schicken Jasper in Alberta. Damit “fehlt” mir allerdings plötzlich auch eine Stunde, denn die Provinz Alberta liegt eine Zeitzone weiter östlich.

    Schon die Fahrt von British Columbia aus hierher über eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen des Landes, den Highway 16, war beeindruckend. Die Einwohner von BC können nämlich für sich verbuchen, daß mit 3954 m die höchste Erhebung der kanadischen Rockies in ihrer Provinz zu finden ist: Mount Robson kurz vor der Grenze nach Alberta.

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    Nicht ganz so hoch ist die Spitze von Whistler’s Mountain bei Jasper. Da fährt zwar das erste Stück eine Seilbahn hoch (ca. 2700m). Den Rest bis auf knapp über 3000m muss man dann selber zurücklegen. Aber das sauerstoffarme Geschnaufe lohnt sich. :-)

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    So ein paar hiesige Tiere habe ich ja schon vor die Kamera gekriegt und hier auch präsentiert. Aber dieser süße kleine Cubbie war einfach zu drollig. Den will ich Euch nicht vorenthalten. :-)

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    Die letzten paar Stunden habe ich übrigens mit dieser Aussicht auf Maligne Lake verbracht. Kann man auch mal die Zeit vergessen … :-)

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    Allerdings wird es mich morgen dort noch einmal hin verschlagen, da ich ganz gerne eine kleine Bootstour auf dem See machen will, um mal etwas mehr als nur diesen Uferbereich zu Gesicht zu bekommen. Spirit Island verspricht nettes Futter für die Linse.

    Für die nächsten Ziele muss ich wohl auch ein bißchen die Ohren offen halten. Vielleicht kam das bei Euch mal in den Nachrichten zur Sprache. Aber nach dem, was ich so vom Hören-Sagen aufgeschnappt habe, scheint es in einigen Städten Albertas heftige Überschwemmungen zu geben, u.a. in Calgary. Auch Banff, ein paar hundert Kilometer südöstlich von Jasper gelegen, soll trotz seiner hohen Lage betroffen sein. Man bekommt davon schon eine Ahnung, wenn man sich hier in Jasper die Pegel einiger Flüsse und Seen anschaut.

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    Na mal abwarten – mehr als nicht nach Banff reinfahren zu können/zu dürfen, wird mir persönlich nicht passieren. Die Touristen, die zur Zeit in Banff quasi eingeschlossen sind, haben da erheblich weniger Glück. Und für die Anwohner ist das ja gleich nochmal eine andere Nummer… Aber ich werde Euch auf dem Laufenden halten.


  • 8 Comments - Latest By:
    • Marco
      Ja, würde schon sagen, dass sich Spirit Island lohnt. Bei mir kam sogar im richtigen Moment die Sonne raus. Sonst …
    • Dörte
      Hat sich Spirit Island gelohnt? Das haben wir letztes Jahr ausgelassen...da wir ja eh den Weg "verloren" hatten... :-D Hast Du …