• Grenzgänger


    Wie Ihr bisherigen Beiträgen entnehmen konntet, bin ich ja auf diesem Roadtrip in den Provinzen British Columbia und Alberta unterwegs. Das Überqueren deren Grenzen ist natürlich nicht viel anders, als in Deutschland von einem Bundesland ins nächste zu fahren. Da steht dann ein Schild, das einem den entsprechenden Hinweis gibt, wo man sich ab jetzt befindet. Das ist theoretisch hier in Kanada auch so. 🙂

    Nur leider steht dieses Schild nicht an wirklich jeder Straße, auch nicht an größeren Highways. Zu dem Zeitpunkt, von dem mein letzter Artikel über den umgestürzten Baum berichtete, war ich mir nämlich nicht so hundertprozentig sicher, in welcher Provinz ich mich denn nun wirklich befinde. Das wäre an sich ja erstmal auch nicht so wichtig, wäre da nicht das Phänomen der unterschiedlichen Zeitzonen zwischen Alberta und BC. Und so ein Schild hier (in dem Fall auf dem Rogers Pass) kann man schnell übersehen, oder es steht halt leider nicht immer da.

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    Auf dem Weg nach Jasper markierte die Grenze der beiden Provinzen tatsächlich auch den Wechsel der Zeitzone. Guter Hinweis für den Fall, daß man sich wieder in die andere Richtung bewegt? Na nicht doch. Wäre viel zu einfach. 😉 Es gibt im östlichen British Columbia einen ziemlich großen Abschnitt, in dem trotzdem die gleiche Zeitzone gilt wie in Alberta, nämlich die sogenannte Mountain Time und nicht die Pacific Time. Verwirrend? Yep, war’s für mich auch. 🙂 Auf dem Weg aus den Rockies nach Westen und Südwesten, über die Kootenays bis jetzt hier nach Kelowna im Okanagan Valley hab ich bei so ziemlich jeder Gelegenheit mal besser nachgefragt, wie spät es eigentlich ist. War immer wieder überraschend! 🙂

    A propos Grenzen: Unabhängig von meinem kleinen Ausflug nach Alaska vor einigen Wochen – irgendwie hat’s ja doch was, wenn so wie in Creston, am südlichen Ende von British Columbia, dann plötzlich dieses Schild auftaucht und die unmittelbare Nähe zu Idaho verkündet.

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    Und so wird das jetzt auf dem Weg nach Vancouver noch häufig passieren. Ich schlängele mich relativ zielstrebig entlang der US-Grenze zurück an meinen Ausgangspunkt.

    Und noch etwas ist sehr _grenz_wertig seit ungefähr Anfang dieser Woche: die Temperaturen. Einigen von Euch hab ich es schon auf anderem Wege erzählt bzw. viele werden es auch evtl. aus den Nachrichten wissen. Nordamerika wird/wurde von einer regelrechten Hitzewelle ereilt. Es ist schon nicht ganz so normal, daß man in Kanada Ende Juni bzw. Anfang Juli speziell in dieser Gegend Temperaturen von über 30 und mancherorts sogar 40 Grad Celsius misst.

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    Immer wieder faszinierend ist dabei allerdings, daß man es trotzdem schafft, bei dieser Hitze irgendwo durch stellenweise knietiefen Schnee zu stiefeln (ok, auf so zwischen 1000 und 2000 Höhenmetern sollte man sich schon befinden). Ist mir erst vorgestern zum wiederholten Mal gelungen, hier am Kokanee Lake bei Nelson in den West Kootenays.

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    Dabei hab ich auch das erste Mal die Bekanntschaft mit einem Grizzly gemacht, ohne daß ich ihn aus sicherer Distanz aus dem Auto heraus beobachten konnte. Ok, der Abstand war immer noch groß genug, und ich hab auch nur einen Blick auf sein riesiges Hinterteil auf der Flucht erhaschen können, da ich ihn auf dem Rückweg von besagtem See wohl aufgeschreckt habe. Offensichtlich war ich auch als Einzelperson laut genug (selbst ohne Kuhglocke um den Hals wie manch anderer Wanderer!), daß er sich getrollt hat. Direkt vor ihm auf dem Wanderweg hätte ich nämlich nicht plötzlich stehen wollen. 😉

    Angesichts der regelrecht domestizierten „Drive-By-Modelle“ war es schon wieder ein beruhigender Gedanke, daß manche Wildtiere ihre natürliche Scheu vor Menschen noch nicht ganz verloren haben. Keine Selbstverständlichkeit meines Erachtens. Ich hab schon aufgehört, die Leute zu zählen, die besonders die hiesigen (allerdings wirklich putzigen) Eichhörnchen ausgiebigst mit Kartoffelchips oder ähnlichem füttern. Klar, da sind meist kleine Kinder am Werke. Aber die werden von ihren Eltern oftmals regelrecht ermutigt oder zumindest nicht davon abgehalten. Steht ja auch nur alle paar Kilometer ein entsprechendes Verbotschild, auf dem (neben den erheblichen Geldstrafen!) auch eindringlich auf die mit dem Füttern verbundenen Gefahren hingewiesen wird: Verlust des Jagd- und Selbsterhaltungsinstinkts und Übertragung von Krankheiten. Aber bei einigen Menschen hab ich das Gefühl, es reicht nicht zum Lesen, oder sie glauben, Regeln und Vorschriften sind nur für andere gedacht. Gilt hier leider ganz besonders (aber nicht ausschließlich) für indische und Latino-Großfamilien. *an-die-Stirn-hau* Aber ich schweife ab … 😉

    Achja, noch ein Nachsatz zum eigentlichen Thema dieses Artikels. Von der Grenzstadt Osoyoos aus hab ich nun doch noch für einen Nachmittag einen Abstecher in den benachbarten US-Staat Washington gemacht.

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    War wiedermal spannendes Theater mit den Brüdern von der US-Immigration! Da drüben war in Grenznähe zwar nicht so viel zu sehen. Aber ich war halt mal da, bin ein bißchen dort gewandert und hab noch ein Käffchen geschlürft. Ich durfte danach sogar wieder problemlos zurück nach Kanada einreisen. 😉


    2 responses to “Grenzgänger”


    • Dörte

      Ha,Marco! Auf dem Rogers Pass steht ein Schild, dass man die Zeitzone wechselt? 😀 Das haben wir übersehen…. und ich gucke beim Bäcker in Lake Louise extra noch wie lange er geöffnet hat… fahren zum See, um dann festzustellen, dass er um 18.15 schon zu hat…?! Weil es ja schon 19.15 war…. 😀
      LG Dörte
      P.S.: Ich hätte gern schonmal ein Elchbild vorab… 🙂


    • Marco

      quod erat demonstrandum 😉 (Das mit dem Schild meine ich.) Ich schau bei Gelegenheit in der Kamera mal nach dem Elchbild. Aber das war ziemlich dunkel in dem Wald auf Pyramid Island. Das werd ich evtl. erst intensiver bearbeiten wollen bzw. müssen. Und dafür fehlt mir hier die Software.


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