• Ziemlich viel Frontier


    So fühlt es sich also an – das Ende der Welt, die nahe Datumsgrenze, Alaska: wo man die andere Seite von Russland fast schon sehen kann. Irgendjemand zufällig gerade in Australien oder Neuseeland unterwegs? Bei mir ist’s fast so früh/spät wie bei dir – nur halt gestern. 🙂 Allein gemessen am Zeitunterschied trennen mich ja auch nur so seltsam komplizierte Details wie „Nordhalbkugel“ und „Sommer-/Winterzeit“ von meinem bisherigen Rekord von 12 Stunden bei den Kiwis. Daß es gerade 10 Stunden sind, spüre ich hier in Alaska auch nach ein paar Tagen noch am späten Nachmittag: Der Sandmann ruft. 😉 Aber es wird von Tag zu Tag besser.


    Interessierte Leser meines Blogs wissen sicherlich, daß ich mich vor einigen Jahren schonmal im südlichsten Zipfel des „Pfannenstiels“ aufgehalten habe. Aber das zählte ja irgendwie nur so halb. Jetzt also richtig.


    Zur Zeit bin ich noch im Denali Nationalpark. Und hier merkt man, daß man sehr, sehr weit weg ist von amerikanischer Zivilisation – ok, mit Ausnahme von manchen Hotels und den Busladungen mit Touristen oder dem Starbucks-Kaffee, den ich gerade trinke. 😉 Aber abgesehen davon sind die endlose Weite, die schneebedeckten Gipfel und die prachtvolle Tierwelt einfach nur fantastisch. Ich bin sehr glücklich, daß die auch hier bis vor kurzem noch wütenden Waldbrände südlich von Denali erfolgreich bekämpft werden konnten und Regen den Dunst sozusagen weggespült hat. Oft hört man hier und da, daß man diesen oder jenen Berg „letzte Woche durch den Rauch“ nicht sehen konnte. Somit war die Fernsicht z.B. auf Mount Deborah gesichert, hier vom Denali Highway mit einer geführten Jeep-Exkursion, da solche Straßen für normale Autos wie meins leider nicht freigegeben sind (da war ja was mit Ende der Welt und so).



    Heute konnte ich auf einem langen Ausflug in den eigentlichen Denali Nationalpark hinein noch mehr von der Landschaft bewundern. Denali, der bis vor kurzem noch Mount McKinley hieß und aber schon ein paar Mal hin und her umbenannt wurde – seit Barack Obamas Initiative in 2015 also wieder indianisch Denali („Hoher Berg“) – ist mit 6190 m nicht nur der höchste Berg Nordamerikas. Wie die meisten amerikanischen Tourguides nicht müde werden zu betonen, ist er de facto eigentlich sogar höher als Mount Everest (8848 m) – wenn man seinen vertikalen Anstieg betrachtet und dabei irgendwie nicht nur die Höhe über dem Meeresspiegel bedenkt, sondern die Höhe ab seiner Basis (dann werden es schnell über 10.000 m). Mit dieser „Berechnung“ ist allerdings Mount Everest nur noch die Nummer 3. Auf Platz 2 liegt der höchste Berg Hawaiis, der Mauna Kea (mit einer enormen Höhe einschließlich UNTER Wasser) – und damit ebenfalls ein US-amerikanischer Berg. Wie praktisch! 🙂


    Ist aber wirklich ein toller Ausblick. Und die vielen Elche, Karibus und Grizzlybären in nur wenigen Metern Entfernung waren prächtiges Linsenfutter. Mehr davon wie immer erst nach meiner Rückkehr. Aber das klassische „Könnten Sie bitte mal…“-Foto gibt’s natürlich hier bereits. Ich guck ganz schön skeptisch. Das war allerdings auch schon der dritte Versuch. Aber mit abgeschnittenen Füßen oder irgendwo nur halb am Bildrand – naja, die Versuche 1 und 2 machten mein Vertrauen in die Fotografierfähigkeiten der anderen Reisenden scheinbar nicht größer. Aber aller brauchbaren Dinge sind ja drei. 😉



    Die anderthalb Ortschaften rund um den Eingang des Nationalparks sind auch Heimat von skurrilen Cafés und Restaurants. Eines davon ist The Salmon Bake. Gerade Wände und rechte Winkel waren bei dessen Bau und Instandhaltung offenbar nicht vorgesehen… 🙂





    Coole Sprüche dagegen schon. Und an solchen Messages kann ich doch nicht vorbeilaufen, ohne ein Foto zu machen. (Ggfs. nötige Übersetzungshilfe liefert bestimmt diese schlaue Suchmaschine… 😉 )



    Morgen geht’s nochmal für eine Wanderung in den Park. Übermorgen dann weiter in Richtung Norden nach Fairbanks. Dann ist es auch nicht mehr weit bis zur nächsten unsichtbaren Linie, die ich zum ersten Mal überqueren werde: den Polarkreis.


    Lasst es Euch gutgehen.
    Marco


    9 responses to “Ziemlich viel Frontier”


    • Mutti

      Hallo, mein Marco, super, dein erster Bericht und ich wünsche dir weiter einen guten Verlauf und viele Fotomotive.
      Ja, das Zeitproblem ist etwas verwirrend. Wenn ich hier langsam munter werde heute, bist du noch bei der gestrigen Abendgestaltung.?
      Liebe Grüße von daheim. Mutti


    • Dörte

      Hallo Marco, wünsche Dir eine gute Reise und viele schöne Fotmotive!
      Letztes Jahr brauchte ich auch mehrere Tage um den Zeitunterschied auszugleichen… halte durch, es wird besser, irgendwann 😉
      Liebe Grüsse von Dörte


    • Bernward Grimm

      Mensch Marco, das hört sich alles sehr spannend an. Wir werden weiter interessiert Deinen Blog verfolgen und freuen uns schon auf tolle Bilder. Alles Gute für Dich, genieße die Zeit. Berni


    • Marco

      Ganz lieben Dank fürs Kommentieren. Yo, die Zeitdifferenz dürfte mit dem heutigen Tag ok sein. Fühlt sich wieder normal an.
      Weil noch die Frage nach dem Schild aufkam – ich hab gerade zwei Fotos von der Hütte nachgereicht. ?


    • Gabriele Herr

      Hallo Marco, schön, dass es dir gut geht. Genieße die Zeit, sie kommt so nicht wieder. LG auch von Skippy, der zur Zeit mal wieder bei mir ist.


    • Andreas

      Moin Marco,
      ich bin beim Surfen zufällig auf Deine Seite getroffen. 😉
      Sieht so aus als wenn es Dir gefällt in Alaska. Endlich konntest Du Deine ersehnten Polarlichter aufnehmen. Echt cool. Ansonsten scheint es zum Freikörperposen etwas frisch zu sein. Der Schokokuchen sieht verdammt lecker aus. Hast Du mir ein Stück eingepackt?
      Ich wünsche Dir noch tolle Tage und mach noch ordentlich Bilder. Ich brauch noch ein paar um mein Haus zu pimpen 😉
      Bis bald, und pass auf Dich auf!
      Gruß Andreas


    • Marco

      Also morgens definitiv zu kalt zum Posen. Spätestens ab 10 gilt das Zwiebelprinzip bis runter zum T-Shirt. 🙂
      Yep, hab Dir und Wolf schon ein Stück Mud Cake eingepackt. Leider blättert das Gold ab. 😉


    • Ingo

      Den Trick mit der Sauerstoffmaske muss ich echt mal probieren! ?
      Das seltsame Restaurant ist mit Absicht so schief?


    • Marco

      Ich befürchte, wenn das Ding erst später so krumm und schief geworden wäre, hätte ein Statiker es schließen lassen. 🙂 Aber wer weiß – vielleicht haben die ja auch aus der Not eine Tugend gemacht und es wieder stabil gekriegt. Ich tippe auf „Hanglage gewollt“. 😉


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